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Alfa Romeo
1900 Berlina
1900 TI
1900 Super
1900 TI Super
Das
Auto, mit dem Alfa Romeo zum Großserienhersteller wird. Im Oktober des Jahres
1950 präsentiert die Mailänder Marke auf dem Automobilsalon von Paris eine neue
Limousine für die obere Mittelklasse. Die meisten Europäer haben fünf Jahre nach
Kriegsende noch andere Sorgen. In der elitären Autowelt aber feiert man den 1900
als Sensation: Alfa Romeo, in den vergangenen Jahrzehnten mit seinen
astronomisch teuren Sport- und Luxuswagen berühmt geworden, kommt in die
Mittelklasse! Vom Alfa für jedermann kann im Fall des "Millenove" allerdings
noch nicht die Rede sein. Nach heutigem Geldwert kostet die 1900 Berlina
zwischen 35.000 und 40.000 Euro.
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| Die bullig
wirkende Karosserie der Alfa Romeo 1900 Berlina ist in enger Zusammenarbeit mit der Carrozzeria Touring Milano entstanden. Ihre Linienführung ist schlicht und elegant, auf dekorativen Tand wird weitgehend verzichtet. |
Der Sarde Orazio Satta Puglia, Sohn eines Turiner Arztes und einer Deutschen,
war 1946 Direktor der Entwicklungs- und Versuchsabteilung von Alfa Romeo. Unter
seiner Leitung wird der 1900 im Hinblick auf eine kostengünstige Produktion in
großer Stückzahl konzipiert. Die bullig wirkende Karosserie ist selbsttragend
und besteht aus Stahlblech. Die Hinterachse ist zwar starr ausgeführt, hängt
aber an Teleskopstoßdämpfern und Schraubenfedern. Trotz seiner Konzeption für
die Großserie ist der Mittelklasse Alfa ein sehr hochkarätiges Auto.
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| Das Heck der
1900 Super. Vor allem aus dieser Perspektive ist eine gewisse Ähnlichkeit zu anderen Limousinen der 50er Jahre - etwa dem Peugeot 403 - nicht von der Hand zu weisen. Das Chrom-Ornament und die zweifarbige Lackierung an den Flanken entspricht den zeitgenössischen Vorstellungen von Eleganz |
Vor allem der Motor des Alfa Romeo 1900 hebt sich vom Großserien-Baustil der 50er Jahre deutlich ab. Zwar hat man in der Nobelfirma seit 1923 keinen Vierzylinder mehr geduldet, der im 1900 aber zeigt alle Merkmale eines Hochleistungs-Triebwerkes. Zwei oben liegende Nockenwellen öffnen da wie bei einem Rennwagen-Motor die V-förmig im Zylinderkopf aus Leichtmetall hängenden Ventile. Die Brennräume sind deshalb halbkugelförmig und werden nach dem Querstrom-Prinzip gespült. Für eine hohe Leistungsausbeute ist das ideal.
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| Der Urahn
aller Alfa Romeo Vierzylindermotoren nach dem Krieg. Doppelte obenliegende Nockenwellen steuern V-förmig im Zylinderkopf hängende Ventile. Links oben der Fallstrom-Vergaser |
Was den 1900er aus dem Jahr 1950 konstruktiv noch von den späteren Alfa-Vierzylindern unterscheidet, sind ein Motorblock aus Grauguss und feste, nicht austauschbare Zylinderlaufbüchsen. Ansonsten aber legt dieses Triebwerk den Grundstein für alle Vierzylindermotoren, die in den folgenden 40 Jahren bis heute das technische Rückgrat des Alfa Romeo-Programms bilden. Auf die ursprüngliche Version mit 1.885 ccm, einfachem Vergaser und 90 PS folgt 1951 der 1900 TI (für "Turismo Internazionale") mit größeren Ventilen und 100 PS. Zwei Jahre später steigt der Hubraum durch ein Vergrößern der Zylinderbohrungen auf 1.995 ccm. Der 1900 Super mit einem Doppelvergaser wird weiterhin mit 90 PS angegeben, der TI Super hat nun aber zwei Doppelvergaser und 115 PS. Das erfolgreiche Abschneiden bei Langstrecken-Rennen wie der Tour de France, der Carrera Panamericana Mexico oder der Stella Alpina ist damit unvermeidlich. "Das Familienauto, das Rennen gewinnt" proklamiert die Werbung.
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| Die gute
Stube in der 1900 Berlina: durchgehende Sitzbank, großes Bakelit-Lenkrad mit verchromtem Hupring, Schalthebel an der Lenksäule. Nichts deutet im Interieur darauf hin, dass vorne unter der Motorhaube zumindest 90 PS auf große Taten warten. "Das Familienauto, das Rennen gewinnt" |
Alfa Romeo hat mit dem 1900 eine neue Kategorie von Automobil geschaffen, die Limousine mit sportlichem Charakter. Allenfalls das Viergang-Getriebe mit dem Schalthebel an der Lenksäule passt nicht mehr so recht in unsere Vorstellungen von einem sportlichen Auto. Während der Produktionsjahre von 1951 bis 1959 rollen insgesamt 16.943 Limousinen des Typs 1900 von den neuen Fertigungsstraßen des Alfa-Werkes. Einige davon sind verlängerte Spezial-Versionen für repräsentative Einsätze bei staatlichen Stellen wie Militär und Polizei.
| Alfa Romeo | Baureihe | Jahrgang | Stückzahl | Motor | Hubraum | Leistung | Spitze |
| 1900 Berlina | - | 1950-1954 | 7.611 | 4-Zylinder | 1.884 ccm | 90 PS | 150 km/h |
| 1900 TI | - | 1952-1954 | 572 | 4-Zylinder | 1.884 ccm | 100 PS | 170 km/h |
| 1900 Super | - | 1954-1959 | 8.282 | 4-Zylinder | 1.975 ccm | 90 PS | 160 km/h |
| 1900 TI Super | - | 1954-1957 | 478 | 4-Zylinder | 1.975 ccm | 115 PS | 180 km/h |
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