Alfa Romeo
2000
Mit Ecken und Kanten



Auf der in allen Maßen gewachsenen Plattform des 1900 erscheint 1958 sein Nachfolger, der 2000.
Die Technik des im Vorjahr auf dem Turiner Salon enthüllten neuen Alfa Romeo ist den Kunden weitgehend bekannt, schließlich arbeitete der 1975 ccm große Motor bereits drei Jahre zuvor im 1900 Super. Statt 90 Pferdestärken (115 im 1900 TI Super) leistet der mit einem neuen Kopf (die Ventilstößel arbeiten jetzt im Ölsbad) versehene Grauguss-Vierzylinder nun 105 PS. Doch mit der neuen, geräumigen Karosserie folgt Alfa Romeo den Gesetzen der damals aufkommenden Mode: Die rundliche Form der ersten in großer Serie gebauten Limousinen mit selbst tragenden Karosserien wird durch die modische Pontonform ersetzt. Scharfe Kanten, üppiger Chromschmuck, steil aufragende Heckflossen und ein stolz in der Front stehendes Scudetto geben dem Viertürer ein imposantes, repräsentatives Äußeres.

Mit dem 2000 greifen die hauseigenen Stilisten damalige
Modetrends auf

Die links und rechts in den Stoßstangenecken versteckten Auspuffendstücke sind ein Modegag - wie der Bandtachometer, dem ein runder Drehzahlmesser zur Seite gestellt ist. Dank des am Lenkrad zu schaltenden Fünfganggetriebes finden nicht nur auf der Rückbank, sondern auch vorne drei Personen Platz. Und diese sechs Insassen reisen in dem hellen, großzügig verglasten Viertürer leise und komfortabel. Viel Gepäck dürfen sie dann jedoch nicht mehr mitnehmen: Die Homologation erlaubt in voll besetzten Zustand lediglich eine Zuladung von 60 kg.

Zwar wächst auch in Italien die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge und das Ansinnen, der über die Maßen erfolgreichen Giulietta ein zeitgemäßes Fahrzeug in der großen Hubraumklasse zur Seite zu stellen, ist an sich richtig. Zu großen Stückzahlen bringt es der 2000 aber nicht. Die Luft für Luxus-Limousinen wie dem Alfa Romeo 2000 oder den konkurrierenden Modellen von Lancia, Mercedes und Jaguar ist noch sehr dünn. So verlassen bis 1962 lediglich 2.893 Fahrzeuge die Hallen in Portello. 320 davon gehen nach Brasilien, wo sich diese Limousine über lange Jahre einer großen Beliebtheit erfreut, schließlich läuft der 2000 als FNM (Fabrica Nacional de Motores) von 1960 bis 1983 vom Band. Ab 1968 hört das aufgrund seines aufragenden Scudettos beraubte Modell auf die Bezeichnung 2150, später entsteht dann der optisch an die Alfetta erinnernde 2300, den die Alfa Romeo Vertriebsgesellschaft in Frankfurt als "Rio" auf den deutschen Markt zu bringen überlegt.

Allerdings kann die zu diesem Zeitpunkt doch schon in Ehren ergraute Technik den von Alfisti gewöhnten Standard nicht bieten. So bleibt der 2000-Nachfahre in Südamerika und wird (ab 1978) als 2300 ti4 dort immerhin bis 1986 produziert..