Alfa Romeo

Ein klein wenig Geschichte


Autos, die aufregen. Alfa Romeo hat in den vergangenen Jahren vieles gebaut, nie aber ein langweiliges Auto. Diese Marke steht für hochkarätige Technik und wohlklingende Motoren, für schöne oder außergewöhnliche Karosserien und das gewisse Etwas, das ein italienisches Auto ausmacht. Das Aufregende an Alfa Romeo mag vielleicht nicht immer ganz positiver Natur gewesen sein, aber selbst die Misserfolge waren entweder technisch interessant oder schön anzusehen. Eben typisch italienisch.


Der typische Alfa Romeo mag die Studie Superflow IV von 1960 zwar nicht sein,
auf alle Fälle ist sie aber ein richtig schönes Auto


Die Anfänge von Alfa Romeo gehen auf das italienische Zweigwerk des französischen Automobilfabrikanten Alexandre Darracq zurück. Mit englischem Kapital entsteht 1906 am nordwestlichen Stadtrand von Mailand eine Fabrik, die unter Lizenz Darracq-Wagen bauen soll. "Il Portello" ("Kleine Pforte") heißt die Gegend an der Straße zum Simplon-Pass. Portello ist bis 1961 Hauptsitz von Alfa Romeo, dann übersiedelt die Fabrik nach Arese weiter nordwestlich von Mailand.

 Zurück ins Jahr 1909. Darracq scheitert auf dem italienischen Markt. Eine Gruppe lombardischer Geschäftsleute übernimmt das Werk am Portello. Die Gesellschaft "Anonima Lombarda Fabbrica Automobili" stellt Autos der Marke A.L.F.A. her. Fortschrittliche Autos mit hochkarätiger Technik, die schnell wie Sportwagen und robust wie Tourenwagen sind. Erste Rennerfolge werden verbucht. Geld verdienen kann man damit nach dem großen Weltkrieg aber nicht. Einen Herrn Alfa hat es zwar nie gegeben, zum Glück aber einen Romeo. 1916 beteiligt sich der neapolitanische Maschinen-Fabrikant Nicola Romeo an A.L.F.A. Seit November 1918 heißen die Autos "Alfa Romeo".


Dank Ing. Nicola Romeo wird
die 1910 gegründete Automobilfabrik A.L.F.A.
im Jahre 1916 zu Alfa Romeo


Das Markenemblem bezieht seine Inspiration aus dem Wappen über dem Tor zum Castello Sforzesco in Mailand. Das rote Kreuz auf weißem Grund geht auf die Raubzüge der Visconti ins Heilige Land zurück. Rechts neben dem Kreuz wird eine Begebenheit in der Lombardei aus dem frühem 5. Jahrhundert symbolisch dargestellt: eine Riesenschlange vernascht zum Frühstück ein Kind. Gottlob hat der heldenhafte Umberto di Angera, Urvater der Visconti und der Sforza, das Untier eines schönen Tages geschlachtet.


Alfa-Heraldik: die gierige Schlange der Visconti
und das Symbol der Kreuzritter


Während der 20er und der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts findet kein großes Autorennen ohne die roten Boliden aus Mailand statt. Targa Florio und Mille Miglia, Le Mans und Nürburgring heißen die Schauplätze epischer Kämpfe. Anfangs sind Bugatti und Bentley die härtesten Konkurrenten, dann Mercedes und die Auto Union. Von 1929 bis 1939 führt ein gewisser Enzo Ferrari die Rennabteilung. Rudolf Caracciola gewinnt 1932 für Alfa Romeo den Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. 1935 wiederholt Tazio Nuvolari das Kunststück gegen die Übermacht der germanischen Silberpfeile. Hühnlein, der Führer des NS-Kraftfahrkorps, ist nicht sehr amüsiert.
 

Der erste A.L.F.A.: Torpedo 24 HP mit Vierzylindermotor, 4,1 Liter Hubraum und 42 PS von 1910. Er ist robust wie ein Tourenwagen und temperamentvoll wie ein Sportwagen. Ein echter Alfa halt. Bis 1920 werden in fünf Serien 680 Exemplare gebaut Der A.L.F.A. 40-60 HP mit Stromlinien-Karosserie von Castagna, gebaut 1914 für Conte Marco Ricotti. Höchstgeschwindigkeit 140 km/h.
Gebremst wird nur mit den Hinterrädern
Typisch für das Alfa Romeo-Programm in den 30er Jahren sind hochkarätige Sportwagen wie dieser 8C 2300 B Spider Corsa mit Karosserie von Touring Milano. Der 8-Zylinder leistet 180 PS, läuft 175 km/h und glänzt bei Straßenrennen wie der Mille Miglia

 

Monte Carlo, 17.4.1932:
Tazio Nuvolari gewinnt mit dem Alfa Romeo Tipo B den Großen Preis von Monaco. Nuvolari und Alfa Romeo sind in diesen Jahren eine unschlagbare Kombination
Silverstone 1951:
Der Argentinier Juan-Manuel Fangio mit der Alfa Romeo Tipo 159 "Alfetta" auf dem Weg zum Sieg im Großen Preis von England. Fangio gewinnt in diesem Jahr zum ersten Mal, Alfa Romeo zum zweiten Mal die Automobil-Weltmeisterschaft
Die Alfa Romeo der frühen Nachkriegsjahre sind noch immer Luxuswagen vom alten Schlag. Hier der 6C 2500 Super Sport mit Coupé-Karosserie des Typs "Villa d'Este" von Touring Milano aus dem Jahr 1950. Schön, schnell und astronomisch teuer. Heute bauen Firmen wie Ferrari oder Jaguar Automobile dieses Kalibers


Für den zivilen Gebrauch der glücklichen Wenigen dieser Zeit baut Alfa Romeo Sport- und Luxuswagen mit hochkarätigen Sechs- und Achtzylindermotoren. Es muss einer dieser Preziosen aus den 30er Jahren gewesen sein, der dem amerikanischen Auto-Tycoon Henry Ford Respekt abnötigte: "Jedes Mal, wenn ein Alfa Romeo vorbeifährt, ziehe ich meinen Hut." Wichtigster Kunde ist der italienische Staat. Alfa Romeo baut Traktoren und Straßenwalzen, Elektrolokomotiven und Schiffstriebwerke, Autobusse, Lastwagen und Flugmotoren für die Jagdbomber des faschistischen Italien. Diese Abhängigkeit von Rüstungsaufträgen führt 1934 zur Eingliederung des Unternehmens in eine staatliche Holdinggesellschaft. 52 Jahre lang ist Alfa Romeo Staatsbetrieb - mit allen Höhen und Tiefen.

Der Rüstungsbetrieb wird 1943 durch zwei Bombenangriffe der US Air Force in Schutt und Asche gelegt. Nach dem Krieg geht es mit Nutzfahrzeugen und Elektroherden, mit Schneepflügen und Geländewagen weiter. Autos entstehen während der 40er Jahre nur in geringer Stückzahl. Wie vor dem Krieg sind das astronomisch teure Luxusautos der 2,5-Liter-Klasse und reinrassige Rennwagen. 1950 und 1951 gewinnen Giuseppe Farina und Juan Manuel Fangio auf Alfa Romeo die ersten beiden Grand Prix Weltmeisterschaften. Dann der große Bruch mit der Vergangenheit: die Mailänder steigen aus dem Rennsport aus und installieren amerikanische Fließbänder.