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Alfa Romeo
Giulia TI
Giulia Super
Giulia Nuova Super
Giulia Diesel
Das Auto, mit dem Alfa Romeo groß wird. Erst mit
der Giulia gelingt auch auf den Export-Märkten der Durchbruch zum Anbieter von
hochkarätigen Autos mit sportlichem Charakter zu erschwinglichen preisen. In den
17 Jahren von 1962 bis 1978 laufen im neuen Werk Arese bei Mailand in zwei
Hubraum-Varianten und in einer Vielzahl von Ausstattungs-Versionen mehr als eine
halbe Million Giulia-Limousinen vom Band.
Dabei findet niemand die Giulia wirklich
schön. Optisch widerspricht sie völlig den gängigen Styling-Idealen der 60er
Jahre, die sich stark an amerikanischen Vorbildern orientieren. Kurz und
gedrungen statt ausladend und eher hoch als breit, ist sie für die Preisklasse
zwischen 8.500 Mark (1300 Berlina, 1964 bis 1964) und 10.000 Mark (1600 TI,
1966/67) alles andere als ein repräsentatives Fahrzeug. Nein, die Giulia ist
kein Auto zum Imponieren. Außen kompakt mit kurzen Überhängen, aber innen
geräumig und sehr gediegen ausgestattet. Ein zweckmäßiges und sehr schnelles
Auto für den Alltag, ein Gran Turismo-Sportwagen mit vier Türen. So etwas gibt
es in den auf Äußerlichkeiten bedachten 60er Jahren nur noch von BMW. Die von
vielen als eher hässlich empfundene Karosserie mit der Stupsnase und skurrilen
Details wie den hinteren Abrisskanten um Dach und Heck bietet dem Fahrtwind sehr
wenig Widerstand, wie man heute nach Messungen im Windkanal weiß.
Technisch bildet die Nachfolgerin der kleineren Giulietta auch die Basis für das neue Giulia Sprint GT-Sportcoupé von 1963 und den neuen Spider von 1966. Das Fahrwerk mit Einzelradaufhängung vorne und aufwendig geführter starrer Hinterachse hat man im Konzept von der Giulietta übernommen, aber weitreichend überarbeitet. Den Vierzylinder mit den doppelten Nockenwellen kennt man ebenfalls aus den 1900er- und den Giulietta-Typen. Bei den 1600er-Giulia gibt dieser Rassemotor seine rauhe Kraft ausschließlich über ein Fünfgang-Getriebe an die Hinterräder weiter.
Die 1962 vorgestellte Ur-Version Giulia TI (Turismo Internazionale) hat in den ersten Baujahren noch einige Merkmale, die nicht so recht zu einer Sportlimousine passen wollen: Trommelbremsen, Lenkradschaltung, Breitband-Tachometer und ein Lenkrad amerikanischen Stils. Vorne unter der Haube aber röhren 92 PS - um zwei mehr als im Porsche 356 Super. 1963 folgt eine um 90 Kilo erleichterte und mit zwei Doppelvergasern auf 112 PS gebrachte Sonderversion. Diese Giulia TI Super wird als Homologationsmodell für den Motorsport in 501 Exemplaren gebaut, sie ist heute als Sportartikel für Klassiker-Rennen heiß begehrt.
Im zivilen Leben findet das Mailänder
Mädchen Julia vor allem als ausstattungsmäßig aufgewertete Giulia Super
diesseits der Alpen zahlreiche Liebhaber. Kenner unterscheiden dabei anhand
zahlreicher Details an Karosserie und Innenausstattung die erste Giulia
Super-Serie mit 98 PS-Motor aus den Baujahren von 1965 bis 1971, von der zweiten
Serie mit 103 PS aus den Jahren von 1971 bis 1973. Zwei
Flachstrom-Doppelvergaser, Scheibenbremsen, Mittelschaltung, Rundinstrumente und
Sportlenkrad haben beide Typen. Ab 1969 gibt es an der Hinterachse einen
Querstabilisator, der die Giulia-typische Seitenneigung in den Kurven etwas
dämpft. In den Jahren 1968 und 1969 entstehen 16 Exemplare der Kombi-Version
Giulia Super promiscua, zwei davon mit Rechtslenkung. Von 1968 bis 1970 bietet
man auch eine Giulia 1600 S mit Einvergaser-Motor von 95 PS und der einfacheren
Innenausstattung der 1300er-Modelle an.
Die Giulias mit dem kleinen, einst in der Giulietta verwendeten 1300er-Motor
sind äußerlich bis Baujahr 1972 anhand ihrer einfachen Scheinwerfer auszumachen.
Ihr Innenraum ist etwas simpler ausgestattet, aber nur die Basis-Version Giulia
1300 mit 78 PS hat ein Viergang-Getriebe. Im April 1972 bekommt auch die Giulia
1300 Super mit 87 PS die unterschiedlich großen Doppelscheinwerfer der
1600er-Modelle. Nun unterscheidet sie sich nur
mehr durch den Schriftzug auf dem Kofferraumdeckel von ihrer um 15 PS stärkeren
Schwester.

Die Giulia Super mit ihren
unterschiedlich großen Doppelscheinwerfern.
So sieht die Front der Super mit dem 1600er-Motor von 1965 bis 1974 aus.
Die Giulia Super mit dem kleinen 1300er-Motor hat erst ab April 1972
Doppelscheinwerfer
Das gilt auch für die zwei Letztmodelle "Nuova Super" mit 89 und 102 PS, die von 1974 bis 1978 zu Preisen zwischen 12.000 und 13.000 Mark immer noch ihre Liebhaber finden. Heute wird die Nuova Super von den Giulia-Freunden ihres mattschwarzen Frontgrills aus Kunststoff mit den vier gleich großen Scheinwerfern und ihres glatten Kofferraumdeckels ohne Mittelsicke wegen gering geschätzt. Umso hübscher sieht dagegen das ein letztes Mal aufgewertete Cockpit mit holzfurnierter Mittelkonsole und den chromumrandeten Zusatzinstrumenten aus.

Die Nuova Super hat einen
mattschwarzen Kühlergrill aus Plastik und
Doppelscheinwerfer identischer Größe. Ihr Kofferraumdeckel hat
keine Mittelsicke mehr

Mailänder Barock: das Cockpit
der Giulia Nuova Super in seiner
ganzen Pracht mit großen Rundinstrumenten, Holzlenkrad,
Holzfurnier und metallisch glitzerndem Chrom. So eine Mittelkonsole
hat nur die Nuova Super
Die nur während der letzten drei
Produktionsjahre gebaute Giulia Diesel - mit 55 PS-Selbstzünder von Perkins aus
England immerhin 140 Sachen flott - bleibt diesseits der Alpen unbekannt (Anm.:
was nicht wirklich ein großer Schaden ist).
1977 nimmt die neue Giulietta den Platz der Giulia ein.
| Alfa Romeo | Jahrgang | Stückzahl | Motor | Hubraum | Leistung | Spitze |
| Giulia TI | 1962 - 1967 | 71.148 | 4-Zylinder | 1.570 ccm | 92 PS | 165 km/h |
| Giulia TI Super | 1963 - 1964 | 501 | 4-Zylinder | 1.570 ccm | 112 PS | 189 km/h |
| Giulia 1600 S | 1968 - 1970 | 2.215 | 4-Zylinder | 1.570 ccm | 95 PS | 170 km/h |
| Giulia Super | 1965 - 1971 | 120.022 | 4-Zylinder | 1.570 ccm | 98 PS | 175 km/h |
| Giulia 1600 Super | 1971- 1974 | 4-Zylinder | 1.570 ccm | 103 PS | 181 km/h | |
| Nuova Super 1600 | 1974 - 1978 | 4-Zylinder | 1.570 ccm | 102 PS | 178 km/h | |
| Giulia 1300 | 1964 - 1971 | 28.358 | 4-Zylinder | 1.290 ccm | 78 PS | 155 km/h |
| Giulia 1300 TI | 1965 - 1972 | 144.213 | 4-Zylinder | 1.290 ccm | 82 PS | 160 km/h |
| Giulia 1300 Super | 1970 - 1974 | 153.274 | 4-Zylinder | 1.290 ccm | 87 PS | 173 km/h |
| Nuova Super 1300 | 1974 - 1978 | 4-Zylinder | 1.290 ccm | 89 PS | 165 km/h | |
| Giulia Diesel | 1976 - 1978 | 6.537 | 4-Zylinder | 1.760 ccm | 55 PS | 138 km/h |
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