Alfa Romeo
GIULIETTA
Keil für fünf


Während die Alfetta als Nachfolger für die Berlina etabliert wird, soll die Giulietta in die - zugegebenermaßen großen - Fußstapfen der Giulia treten. Im Centro Stile Alfa Romeo wird erst gar kein aktualisierter Aufguss des aus den ausklingenden fünfziger Jahren stammenden Giulia-Entwurfes versucht. Zwar bedienen sich die Mailänder - 22 Jahre nach der Vorstellung des Namensvetters - eines bereits bekannten Namens, doch die Devise lautet: Ab mit den alten Zöpfen. Und so orientieren sich die Designer unter der Führung von Giuseppe Scarnati und, ab 1975, Ermanno Cressoni an der Silhouette der in der Sportwagen-Weltmeisterschaft dominanten Rennwagen-Keile des Werksrennstalls Autodelta. Natürlich lässt sich die kompromisslose Linienführung des Tipo 33 und anderer seit Ende der 60er-Jahre spoilerbewährter Rennboliden nicht direkt auf die neue Mittelklasse-Limousine übertragen. Dennoch ist diese Form wegweisend.


Bekannter Name und vollkommen neue Optik:
Die keilförmige Nuova Giulietta nimmt die Linie
des Renners Tipo 33 auf - und setzt Trends.

Als Alfa Romeo auf der Frankfurter IAA 1977 die Giulietta vorstellt, ist das Befremden noch groß. Hohe Kofferräume mit integrierter Spoilerlippe kommen erst Anfang der 80er-Jahre in Mode. So ist ein neuer Alfa Romeo - einmal mehr - seiner Zeit voraus. Beispiellos ist auch die schon von der Alfetta bekannte Technik der Giulietta: Transaxle-Bauweise mit De-Dion-Hinterachse und innen liegend montierten Scheibenbremsen sowie Drehstäbe an der Vorderachse. Den Radstand von 2,51 m behalten die Ingenieure aus Arese bei, doch trimmen sie das Fahrverhalten der wegen ihrer geringeren Überhänge zwanzig Zentimeter kürzer geratenen Giulietta eindeutig stärker in Richtung Sport. Analog zur Giulia erscheint die Giulietta erst einmal mit den aus der Giulia bekannten, jedoch überarbeiteten Alu-Reihenvierzylindern mit der Bezeichnung 1,3 und 1,6 und 95 bzw. 109 PS.

Zwei Jahre später baut Alfa Romeo mit der Giulietta 1,8 die Baureihe nach oben aus. 1980 folgt die Giulietta Super mit dem bereits aus der Berlina 2000, 2000 GT Veloce, 2000 Spider Veloce, Alfetta 2000 und Alfetta GTV 2000 bekannten 130 PS leistenden Zweiliter-Motor.

Für die 170 S starke Giulietta 2.0 Turbodelta ist
einmal mehr Autodelta verantwortlich
1983 erscheint die dritte Serie der Giulietta. Unter
anderem mit neuem Interieur und Nebelleuchten

Der Ebenfalls zweilitrige VM-Selbstzünder mit 82 PS ist ab 1983 - zwei Jahre nach Vorstellung in der Alfetta - auch in der kompakteren Giulietta erhältlich. Zu diesem Zeitpunkt hat die Giulietta bereits geringe Retuschen über sich ergehen lassen: So sind die sich seit 1981 mit einem L (für Lusso wie Luxus) schmückenden Giulietta-Modelle inzwischen mit einer seitlichen Stoßleiste, neuen Türgriffen und einem an Lenkrad, Instrumenten und Mittelkonsole überarbeiteten Interieur versehen. 1983 erfährt die Nuova Giulietta weitere Modifikationen. Ab sofort findet ein neues Instrumentenbrett mit weiteren Ablagemöglichkeiten Verwendung. Die neu geformten Rücksitze verfügen nun ebenfalls über Kopfstützen. Von außen ist die letzte Serie der Giulietta an den großvolumigen Stoßleisten und -fängern - vorn mit integrierten Nebenscheinwerfern - sowie den unterhalb der Leuchten in einem dunklen Kunststoffband eingebetteten Nebelrückleuchten identifizierbar.

Die ersten Autos in diesem zeitgemäßen Outfit stammen direkt von Autodelta aus Settimo Milanese. Die 170 PS starken Giulietta 2,0 Turbodelta sind als Homologationsmodelle für den Sporteinsatz des kompakten Viertürers vorgesehen. Die Giulietta soll in die Fußstapfen des viermal in Folge zum Europameister gekürten Alfetta GTV treten. Doch der Serienanlauf des Alfa 75 steht in nicht allzu weiter Ferne und so wird der Sporteinsatz der Giulietta 2,0 Turbodelta verworfen. Dennoch entstehen 1984 insgesamt 361 Fahrzeuge, die den Weg auf die Straße finden. Ein Turbolader von der für den Bau von Flugmotoren zuständigen Tochter Alfa Avio verschafft dem klassischen Alfa-Doppelnocken-Motor mit seinen beiden Doppelvergasern 40 weitere Pferdestärken. Ein Ölkühler, natriumgefüllte Auslassventile, innenbelüftete Scheibenbremsen und ein straffer abgestimmtes Fahrwerk gehen mit der gestiegenen Motorleistung einher. Sportsitze mit durchbrochenen Kopfstützen, ein sportliches MOMO-Dreispeichen-Lederlenkrad, eine Ladedruckanzeige an Stelle der mittleren Luftaustrittrosette sowie ein umlaufender roter Streifen dokumentieren den sportlichen Anspruch dieses ausschließlich schwarzmetallic lackierten und 206 km/h schnellen Wagens.