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Alfa Romeo
MONTREAL
Der Renner für die Straße
Eher selten in der Automobilgeschichte stehen Rennboliden Pate für die
Entstehung eines Straßensportwagens. Beim Montreal ist das der Fall: Unter der
schicken Schale des flachen Coupés verbirgt sich der für den Alltagsbetrieb
domestizierte V8 des Rennsport-Prototyps Tipo 33. Doch der Reihe nach:
Alfa Romeo hat die ersten Jahrzehnte seit der Neuorientierung nach dem Krieg gut
überstanden und sich zu einem florierenden Hersteller entwickelt. Und neben den
Limousinen und Coupés möchten die Markenverantwortlichen auch wieder die
Modellpalette nach oben hin ausbauen. Ein Sportwagen ist daher das passende
Vehikel. So entsteht die Studie eines Frontmotor-Coupés mit Mittelmotoroptik,
die erstmals anlässlich der Weltausstellung 1967 in Montreal gezeigt wird. Der
Entwurf stammt von Bertone-Chefdesigner Marcello Gandini, Der Name ergibt sich
von selbst. Und unter dem weiß lackierten Kleid verbirgt sich die Antriebs- und
Fahrwerkstechnik der Giulia.
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| Form und Farbe verkörpern den Geist der 70er-Jahre | Beliebt war außerdem ein leuchtendes Orange |
Seit März 1967 tritt Motorsport-Legende Carlo Chiti mit
dem aufblühenden Werksrennstall Autodelta und dem kompromisslosen Tipo 33
erfolgreich in der Sportwagen-Szene an. Doch die Pläne zur Serienfertigung des
extrem aufwendigen - und damit auch teuren - Tipo 33 Stradale werden nach nur
wenigen Fingerübungen wieder ad acta gelegt.
So finden der in Montreal gezeigte Prototyp und der unter anderem in Daytona
siegreiche V8 zusammen. 1970 steht das nun mit 2,6 Litern Hubraum versehene
Coupé erstmals auf dem Genfer Salon. Der Wagen leistet alltagstaugliche 200 PS
und buhlt fortan um die Kundschaft, die sich auch für einen Dino 246 GT (196
PS), Maserati Merak (190 PS), Porsche 911 S (175 PS) oder BMW 2800 CS (170 PS)
interessiert. Anders als bei den Mittelmotorwagen aus Modena oder dem
Heckmotorsportler aus Stuttgart liegt die Stärke des Montreal in seinen
besonders ausgeprägten Gran-Turismo-Qualitäten, schließlich stehen der schwer
auf der Vorderachse lastende Motor sowie das aus dem Giulia-Baukasten stammende
Fahrwerk einer strammen Zeitenhatz auf der Rennstrecke entgegen.
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Gegenwind kommt auch aus politischer und wirtschaftlicher
Richtung: Die Mitte der 70er-Jahre hereinbrechende Energiekrise bereitet der
Faszination hochkarätiger und leistungsstarker Fahrzeuge Abbruch. Logischerweise
erweist sich der Achtzylinder bei forcierter Gangart durchaus nicht als
Kostverächter - auch wenn sein Ruf ihn in einem schlechteren Licht erscheinen
lässt, als er es verdient. Schließlich können versierte Mechaniker, die die
eigenwillige Spica-Einspritzanlage korrekt zu justieren wissen, zahllose Liter
sparen helfen. Doch im Dezember 1975 läuft die Produktion nach 3.925 Exemplaren
aus und die letzten Fahrzeuge finden erst 1977 ihre Kunden.
Der Montreal wurde im Zeitraum 1971 bis 1977 insgesamt 3.925 mal gebaut und
kostete 1972 DM 35.125,--.
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