Alfa Romeo
1600 Spider Duetto
Spider 1750 & 2000 Veloce
Spider 1300 & 1.6 Junior
Spider 1.6 & 2.0


Der Alfa, der sich zu sterben weigert.
Seit 1966 wird der Spider gebaut. In vier Karosserie-Versionen und mit Motoren in vier Hubraumstufen haben in den vergangenen Jahren rund 120.000 Alfa Spider die Straßen der Welt verschönert. Damit konnte wirklich niemand rechnen, als am 10.3.1966 auf dem Genfer Automobilsalon ein neuer Alfa Romeo 1600 Spider erscheint. Der offene Sportwagen verwendet wie die Giulia Sprint GT die Technik der Giulia-Limousine von 1962 als Basis. Das Fahrgestell hat im Gegensatz zum Coupé jedoch einen um zehn Zentimeter gekürzten Radstand. Wie bereits bei der Giulietta und der Giulia Spider zuvor, entwirft und baut Pininfarina die Karosserie des neuen Spider.
Die ungewöhnliche Linie mit ihren konvex ausgebeulten Flanken und dem spitz zusammenlaufenden Bug und Heck bezieht ihre Inspiration offensichtlich von den "Superflow"-Studien. Das letzte Werk des Grande Signore unter den italienischen Karosseuren: Battista "Pinin" Farina, 73, stirbt am 2.4.1966.

Der Alfa Romeo Spider "Duetto" mit dem Rundheck
aus den Jahren von 1966 bis 1969


Das babylonische Sprachengewirr um die missverständliche Typenbezeichnung des neuen Spider will Alfa Romeo-Präsident Giuseppe Luraghi mit einem Referendum lösen. Teilnahmeformulare gibt es - wer hätte das gedacht? - beim freundlichen Alfa-Händler. Bis zum 10.5.1966 treffen aus aller Welt 140.501 Vorschläge ein. Eine Jury wählt den aus der Musik stammenden Begriff "Duetto" zum Sieger. Aus den Einsendern wird am 17.6.1966 Guidobaldo Trionfi ausgelost und mit einem Alfa Romeo 1600 "Spider Duetto" belohnt. 1967 kommt auch Dustin Hoffman während der Dreharbeiten zum Oscar-prämierten Film "Die Reifeprüfung" in den Genuss eines Spider Duetto.

So rund ein Heck eben sein kann. Die Inspiration zu dieser Linie kann
man über die vier "Superflow"-Studien von Pininfarina bis zum Disco Volante
von 1952 zurückverfolgen. Gut zu erkennen ist das nackte Armaturenbrett
des Rundheck-Spider aus lackiertem Blech. Lenkrad und Räder sind
individuelle Verschönerungen an diesem Wagen


Der neue Spider und sein Name finden zunächst eher mäßige Akzeptanz. Nur der 1600er mit 109 PS aus den Jahren von 1966 bis 1968 wird mit "Duetto" bezeichnet. Die 1967 und 1968 hinzugekommenen Motorvarianten mit 115 und 89 PS heißen 1750 Veloce und 1300 Junior. In Italien fasst man diese drei ursprünglichen Versionen des Alfa Spider unter dem Familiennamen "Osso di Seppia" zusammen, da die Seitenansicht der Karosserie an den Knochen des Tintenfisches erinnert. Unter den deutschsprachigen Alfisti setzt sich der Name "Rundheck-Spider" durch.

So sieht der "Fastback"-Spider von vorne aus. Die Wundschutzscheibe
steht etwas flacher als beim "Rundheck", die Stoßstange ist massiver,
die Blinker sind größer. Radkappen passen nicht mehr zum Zeitgeist,
also weg damit. Nach wie vor verdecken Plexiglastüten die Scheinwerfer


Ob "Rundheck" oder "Osso di Seppia", an der Form scheiden sich die Geister. Ende 1969 bekommt der Spider eine neue Karosserie mit massiveren Frontstoßstangen, einer etwas flacher stehenden Windschutzscheibe und vor allem einem waagrecht auslaufenden, dann abrupt endenden Heck. "Coda tronca" nennen das wie schon bei der Giulietta SZ die Italiener, "Fastback" der Rest der Welt. Der Spider wirkt damit wuchtiger und teurer. Ab 1971 gibt es den "Fastback" auch mit dem 131 PS starken 2-Liter-Motor als Spider 2000 Veloce. Optisch unterscheiden sich die beiden Veloce-Typen 1750 und 2000 von den schwächer motorisierten "Junioren" 1300 und 1600 vor allem durch ihr Armaturenbrett: statt lackiertem Blech gibt es da eine ausgeprägte Mittelkonsole und zwei große, wie Eistüten aussehende Töpfe für Tachometer und Drehzahlmesser.

Von 1982 auf 1983 erschüttert Pininfarina die Karoserie des Alfa Spider
in ihren Grundfesten. Neben den dicken Gummi-Stoßstangen fallen
verchromte Ringe um die Scheinwerfer und ein Schaufel-Spoiler
unter dem Bug auf


Bis Ende 1982 geht mit Verbesserungen im Detail alles gut. Dann aber diktiert das Marktgesetz, immer wieder etwas neues bringen zu müssen, eine Änderung um des Änderns willen. Im März 1983 erscheint der "neue" Alfa Spider mit dicken Gummi-Stoßstangen, verchromten Scheinwerferringen, schaufelförmiger Frontlippe und einem geänderten Heck mit dickem Gummispoiler. Die Alfisti sind entsetzt. Hartnäckig hält sich seither das Gerücht, einer von ihnen hätte noch am Alfa-Stand auf dem Genfer Salon dem neuen Spider auf dessen unsäglichen Heckspoiler gepinkelt.

Stein des Anstoßes: der Heckspoiler aus schwarzem Gummi wird von
den Alfisti heftig kritisiert. Ein Sturm im Wasserglas freilich, denn beim
Fahren sieht man diesen Gummi eh nicht. Unter dem Blech ist auch
dieser Spider ein Rasseauto für den Kenner


Allen Verwünschungen der Alfa-Puristen zum Trotz verkauft sich das "Gummiboot" in den Versionen 1.6 mit 104 PS und als 2.0 mit 128 PS ganz gut. Daran ändert sich nur wenig, als das Alfa-Stylingbüro 1986 erneut zuschlägt und dem Gummi-Spider einen viel homogener eingepassten Frontspoiler und ein neues Armaturenbrett verpasst. Höhepunkt der Geschmacklosigkeit ist in den Augen der Alfa-Enthusiasten die neue Edel-Version "Quadrifoglio Verde" ("grünes Kleeblatt") mit modischen Schwellerleisten an den Flanken. Erstmals gibt es den Spider auch in Europa mit 2.0 Liter Einspritzmotor von 115 PS und Katalysator.

"Quadrifoglio Verde" steht im Italienischen für das vierblättrige Kleeblatt
oder für die sportliche Komplett-Ausstattung eines Alfa Romeo.
1985 gibt es erstmals den Spider als 2.0 QV mit integriertem Frontspoiler,
neuem Hardtop, Seitenschwellern, Plastik-Radkappen und Heckschürze.
Alles eine Frage des guten Geschmacks


Durchwegs positiv ist die Resonanz in Alfa Romeos kritischem Publikum als 1990 die vierte Spider-Serie erscheint. Die von Pininfarina gestalteten Bug- und Heckschürzen aus Kunststoff und die völlig neuen Blechteile am Heck passen harmonisch zur Linie der  Karosserie. Was leider nicht passt, ist der brillante 2.0 Liter Twin Spark Motor mit 148 PS aus dem Alfa 75: die Motorhaube des Spider ist zu flach. Also gibt es außerhalb Italiens nur den 2.0 Liter Motor mit Einfachzündung und 120 Katalysator PS.

Der Spider, wie er ab 1990 gebaut wurde. Die Renovierung der Karosserie
ist Pininfarina diesmal ungewohnt gut gelungen. Die neuen Schürzen
um Front und Heck sowie die Schwellerleisten fügen sich gut in die
Spider-Linie ein und mit den Heckleuchten kann man leben


Alt ist freilich auch das Fahrwerk des letzten italienischen Sport-Spider. Dieser Alfa will von einem engagierten Fahrer "geritten" werden. Im Gegensatz zu den modernen offenen Sportwagen aus Japan ist der Alfa Spider noch ein Auto mit Persönlichkeit und ausgeprägtem Charakter.

Das Cockpit hat den Augen des Alfa-Liebhabers allerhand zu bieten.
Man beachte den großen, ovalen Instrumentenkasten, die delikat
geformte Mittelkonsole, die hübschen und zudem sehr funktionellen
Lüftungsdüsen... Allenfalls der Knauf des Schalthebels hätte ein
unsynthetisches Material verdient, gleichwohl ein wenig Edelholz
da oder dort auch nicht von Nachteil gewesen wäre

                            
      

Alfa Romeo Baureihe Jahrgang Stückzahl Motor Hubraum Leistung Spitze
Spider 1600 Duetto 105.03 1966 - 1968 6.325 4-Zylinder 1.570 ccm 109 PS 182 km/h
Spider 1750 Veloce 105.57 1967 - 1969 8.701 4-Zylinder 1.779 ccm 118 PS 188 km/h
Spider 1750 Veloce "USA" 105.57 1967 - 1969 ? 4-Zylinder 1.779 ccm 114 PS 188 km/h
Spider 1300 Junior 105.91 1968 - 1969 ? 4-Zylinder 1.290 ccm 88 PS 168 km/h
Spider 1750 Veloce 105.57 1969 - 1972 ? 4-Zylinder 1.779 ccm 118 PS 188 km/h
Spider 2.0i "USA" 105 1971 - 1982 22.059 4-Zylinder 1.962 ccm 129 PS 190 km/h
Spider 2000 Veloce 105 1971 - 1977 7.368 4-Zylinder 1.962 ccm 131 PS 198 km/h
Spider 1.3 Junior 105 1972 - 1977 ? 4-Zylinder 1.290 ccm 88 PS 168 km/h
Spider 1.6 Junior 105 1972 - 1975 2.371 4-Zylinder 1.570 ccm 110 PS 184 km/h
Spider 1.6 Junior 105 1974 - 1980 2.477 4-Zylinder 1.570 ccm 104 PS 184 km/h
Spider 2000 Veloce 105 1975 - 1982 8.952 4-Zylinder 1.962 ccm 128 PS 194 km/h
Spider 1.6 Veloce 105 1980 - 1981 300 4-Zylinder 1.570 ccm 104 PS 184 km/h
Spider 1.6 115.35 1983 - 1986 5.400 4-Zylinder 1.570 ccm 104 PS 178 km/h
Spider 2.0 115.38 1983 - 1986 ? 4-Zylinder 1.962 ccm 128 PS 192 km/h
Spider 1.6 115.35 1986 - 1989 ? 4-Zylinder 1.570 ccm 101 PS 180 km/h
Spider 2.0 115.38 1986 - 1989 ? 4-Zylinder 1.962 ccm 125 PS 190 km/h
Spider 2.0 cat 105 1986 - 1989 ? 4-Zylinder 1.962 ccm 117 PS 185 km/h
Spider 2.0 QV 115.38 1986 - 1989 ? 4-Zylinder 1.962 ccm 125 PS 190 km/h
Spider 1.6 115 1990 - 1994 2.951 4-Zylinder 1.570 ccm 106 PS 180 km/h
Spider 2.0i cat 115 1990 - 1994 18.456 4-Zylinder 1.962 ccm 120 PS 190 km/h
Spider 2.0i 115 1990 - 1994 ? 4-Zylinder 1.962 ccm 122 PS 192 km/h