Alfa Romeo
Alfa Romeo Tipo 33 Stradale

Nach einer Pause von 14 Jahren nimmt Alfa Romeo ab 1967 wieder bei den Rennen um die Sportwagen-Weltmeisterschaft teil. Den neuen Tipo 33 Boliden mit Achtzylindermotor und einem eigenwilligen Fahrgestell aus dicken Magnesiumrohren, die gleichzeitig den Treibstoff fassen, hat mit dem wohlbeleibten Carlo Chiti ein ehemaliger Ferrari-Mann konstruiert.



"Autodelta", die Motorsport-Division von Alfa Romeo, baut den Tipo 33 zunächst mit 2.0 ab 1969 mit 3.0 Liter Hubraum für den Werks-Rennstall "Alfa Corse" sowie für Privatfahrer. Bis 1977 entstehen 64 Exemplare. Zuletzt hat der Tipo 33 den auch im Brabham-Alfa Romeo-Formel 1-Rennwagen verwendeten Zwölfzylinder-Boxermotor im Leib. Als größte Erfolge des Tipo 33 seien ein Gesamtsieg beim sizilianischen Straßenrennen "Targa Florio" im Sommer 1971 sowie der Gewinn der Marken-Weltmeisterschaften für Sportwagen von 1975 und 1977 genannt. Einer der Schnellsten im Alfa Romeo Tipo 33 ist der Kölner Rolf Stommelen.

Der "Stradale" ist die straßenverkehrstaugliche Ausführung des Tipo 33-Rennwagens. Sein Fahrgestell setzt sich aus dicken Stahl- anstelle von Magnesiumrohren zusammen. Sein Radstand ist um zehn Zentimeter länger als jener des Rennwagens. Der V8-Motor mit 2.0 Litern Hubraum, vier Nockenwellen, Trockensumpfschmierung und Doppelzündung wurde von 270 auf 230 PS entschärft. Die 99 cm flache Karosserie aus Aluminium baut Marazzi, ihr Design geht wie jenes der drei B.A.T.-Studien auf Franco Scaglione zurück. Mit seiner erotisch geschwungenen Form gibt sich dieses Coupé alle Mühe, Domenica von der Hamburger Herbertstraße Konkurrenz zu machen.

Ein erstes Exemplar des Tipo 33 für die Straße erregt im September 1967 bei der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt Aufsehen. Zum Genfer Salon im März 1968 erscheint die endgültige Ausführung mit einfachen anstelle von doppelten Scheinwerfern, mit großen Kühlluft-Auslässen hinter den Vorderrädern und mit Kurbel- statt Schiebefenstern in den Seitenscheiben. Im März 1969 stellt Autodelta den 18. und letzten Tipo 33 Stradale fertig. Das erhoffte Geschäft mit den wohlhabenden Autonarren ist ausgeblieben. Schuld daran mag der kompromisslose Charakter dieses nur geringfügig für den Straßenverkehr domestizierten Rennwagens sein. Heiß, laut und hart geht es im Cockpit zu.
Der Stradale hat gar keinen Kofferraum. Die hochsensible Technik bedarf der intensiven Betreuung durch einen begabten Mechaniker.

Vor allem die Benzineinspritzung von Spica ist nicht ohne nervöser Mucken. Beim Fahren muss man den kleinen Achtzylindermotor mit hohen Drehzahlen zwischen 6000 und 9000 Touren bei Laune halten. Die Sechsgang-Schaltung und die Rennkupplung wollen mit Geschick bedient werden. Dieses aufregende Auto macht Tempo 260 und taugt nur zum Schnellfahren - am besten auf der privaten Rennstrecke hinter dem Landsitz.

"Bestimmt für ganz spezielle Kunden" sei der Tipo 33 Stradale, so Alfa Romeo. Wer mag damit gemeint sein? Mangels Nachfrage vor allem die Karosseure Bertone, Pininfarina und Ital Design, die auf Tipo 33-Basis insgesamt sechs Designstudien für die Automobil-Salons realisieren. Das einflussreichste dieser sechs Stilexperimente mag der giftgrüne "Carabo" von Bertone aus dem Jahre 1968 sein. Seine Form nimmt jene der späteren Serien-Traumwagen Lamborghini Countach von 1973 oder Lancia Stratos von 1974 vorweg, die ihrerseits wiederum starke Auswirkungen auf das Stilempfinden der 70er Jahre haben.

Der giftgrüne Kraftkeil Carabo von Bertone, der 1968 völlig neue Design-
Ideen bringt. Beachtenswert sind die stark getönten und mit der
Karosserie bündigen Scheiben


Bertones ehemaliger Chef-Designer Giorgio Giugiaro hat sich ja - wie wir alle wissen - mit seinem eigenen Studio "Ital Design" selbständig gemacht. ID zeigt auf dem Turiner Salon 1969 das silbrig glänzende Coupé "Iguana". Die Schalensitze im Cockpit sind wie Zwangsjacken ausgeführt, in die man sich vor dem Wegfahren einknöpft.

Das Coupé Iguana von Ital Design vom Turiner Salon 1969.
Merkmale dieser Stilstudie wird man in zwei bis drei Jahren an
den Kleinserien-Sportwagen Maserati Bora und Merak wieder sehen.
Sind die Magnesiumräder nicht wunderschön?


Pininfarina realisiert 1968 und 1971 auf Tipo 33-Basis zwei verwegen aussehende, offene Sport-Roadster, beide in Weiß. Eine der atemberaubendsten Auto-Formen aller Zeiten ist jedoch der grellgelbe "Prototipo Speciale" von 1969. Detail am Rande: die gleiche Karosserie hat ein Jahr zuvor in roter Farbe den "Ferrari P5" geschmückt. Die letzte Designstudie auf Alfa Romeo Tipo 33-Basis bringt 1976 wiederum Bertone mit dem mattsilbergrauen Coupé "Navajo".

Pininfarina zeigt 1968 auf Tipo 33 Stradale-Fahrgestell diesen
Sport-Roadster, der als Design-Studie einige Automobil-Salons
beehrt und danach eine Karriere als Vorbild für Spielzeugautos
mehrerer Hersteller einschlägt. Der Flügel hinter dem Cockpit
zitiert die Rennwagen dieser Zeit

Der Roadster "Cuneo" von Pininfarina aus dem Jahr 1971.
Auch er bleibt ein Unikat

Der Alfa Romeo Tipo 33 Prototipo Speciale Pininfarina aus dem Jahr 1969.
Eine der atemberaubendsten Autoformen aller Zeiten, durchaus mit den
B.A.T.-Studien von Bertone aus den 50er Jahren gleichzusetzen.
Mit etwas Phantasie kann man Design-Ideen dieses Einzelstücks bei späteren
Ferrari-Sportwagen wieder entdecken. Eine fast identische Karosserie
trug übrigens im Jahr zuvor eine Stilstudie auf Ferrari-Basis


Fraglich bleibt, ob die Fahrgestelle der sechs Designer-Stradale in der offiziellen Gesamtproduktion von 18 Exemplaren enthalten sind. Wenn ja, dann reduziert sich die Summe der "Serien"-Stradale auf nur zwölf Stück. Erstbesitzer der Blauen Mauritius (siehe Bild) war Conte Corrado Agusta, Herr über die Motorrad- und Hubschrauber-Manufaktur gleichen Namens. Der einzige blaue Stradale steht heute in einer japanischen Sammlung.

In aller Offenheit ist der Alfa Romeo Tipo 33 Stradale eine eher geringfügig
für den Straßenverkehr domestizierte Ausgabe des Tipo 33-Rennwagens, der
in Le Mans, in Daytona und bei der Targa Florio um Pokale kämpfte.
Die Straßen-Version hat zwar keinen Kofferraum, dafür aber sechs Gänge
und acht sehr kleine Zylinder. Nur ein einziges von 18 Exemplaren wurde
in Blau lackiert - nämlich genau dieses hier

 

Alfa Romeo Jahrgang Baureihe Stückzahl Motor Hubraum Leistung Spitze
Tipo 33 Stradale 1967 - 1969 - 18 V8-Zylinder 1.995 ccm 230 PS 260 km/h